Das Café Kuko in München

Seien wir ehrlich: wer hat noch nie davon geträumt, ein schnuckeliges, kleines Café zu eröffnen? Wo der Duft von frisch gemahlenem Kaffee und der Klang leiser Musik die Seele wärmen und es nur nette Gäste gibt. Solche, die ihre plärrenden Bälger draußen lassen oder extra vom anderen Ende des Landes anreisen, nur um den köstlichen, hausgemachten Kuchen zu probieren. Meine Nachbarin Vroni hat sich diesen Traum mit ihrem Café Kuko in München erfüllt. Wer bisher mich für mutig gehalten hat, der sollte sich lieber mal die Geschichte von Vroni anhören!

Vroni wohnt seit etwas über einem Jahr in unserem Haus. Gesehen haben wir uns in dieser Zeit höchstens drei oder vier Mal. Auf der Straße hätte ich sie wahrscheinlich gar nicht wiedererkannt. Eines schönen Tages aber klingelt es an der Wohnungstür und Vroni steht da. Ich wollte schon sagen: „Vroni, ich habe heute leider kein Paket für dich“. Da platzt es mit leuchtenden Augen aus ihr heraus: „Tanja, es ist unglaublich. Der Herr Esterhammer schickt mich!!!“ Moment mal, etwa der nette Herr Esterhammer vom Gründerseminar der Arbeitsagentur? Woher kennt sie den denn? Einen Moment lang starre ich sie ungläubig an, dann klärt sie mich auf: „Ich bin die mit dem Café, von der er dir erzählt hat.“

Tatsächlich hatte mir der nette Herr Esterhammer von einer anderen Gründerin erzählt, die ein Café mit einem sozialen Konzept eröffnen möchte. Neben Kaffee und Kuchen wollte sie dort handgemachte Artikel aus lokaler Produktion verkaufen. Da würden meine Sachen gut reinpassen, ob er meine Adresse weitergeben dürfe? Aber klar doch!

Als Vroni dann meine Adresse sah, dachte sie zuerst, der nette Herr Esterhammer hätte versehentlich ihre eigene Adresse aufgeschrieben. Aber dann fiel der Groschen: die Pakettante aus dem 3. Stock! Ja, und so stellte sich dann heraus, dass sich Vroni und ich nicht nur für denselben Vermieter entschieden hatten, sondern auch für den netten Herrn Esterhammer. Dieser hat unsere Gründungsideen dann über die unglaubliche Distanz von zwei Stockwerken zusammengebracht. Ohne ihn hätte ich niemals erfahren, was die Vroni vom 1. Stock so alles treibt. Ist das zu glauben?

So lernten Vroni und ich uns also kennen. Bei der Eröffnung des Cafés lernte ich dann auch noch ihre ganze Familie kennen: die Eltern und den Bruder, die extra aus Marktredwitz angereist waren. Ihren Freund Josef, der auch bei uns wohnt, dessen kleinen Sohn Benjamin und Oma Angeline, die gerade zu Besuch aus Kampala war. Natürlich habe ich Stefan auch mitgeschleppt. Als welterfahrener Espressotester freute er sich nicht nur über den sehr guten Kaffee, sondern auch darüber, dass wir nun jemanden in Uganda kennen. Man weiß ja nie, wo einen die nächste Weltreise hin verschlägt!

Das Café ist übrigens kaum wiederzuerkennen. Ich kenne es vom Vorbeiradeln. Früher hieß es Café Mandala und war ein vollgestopftes Kuriositätenkabinett mit Räucherstäbchen, Buddha-Bedarf und anderen Devotionalien. Ich bin aber nie rein. Der Laden sah so übel nach Yogitee aus, dass ich dachte, ich fliege sofort wieder raus, wenn ich nach Cappuccino frage. Tatsächlich aber hat der Eindruck schwer getäuscht. Wie ich inzwischen weiß, hat sich das Café Mandala mit seinem feinen und recht unveganen Speise- und, nun ja, Kaffeeangebot ein Topranking bei Tripadvisor erarbeitet.

Für unsere Vroni ist es ein ziemlicher Glücksfall. Sie hat nicht nur die tolle Lage im Westend übernommen, sondern auch ein gut eingeführtes Café. Vroni hat es in Café Kuko umgetauft, das bedeutet auf Esperanto Kuchen. Dass dieser hausgemacht ist und in Bälde Gäste vom anderen Ende des Landes anziehen wird, versteht sich von selbst.

Vroni hat den Laden gründlich ausgemistet. Jetzt wirkt er hell und freundlich. Sie möchte das Mischkonzept Laden/Café beibehalten und sucht für den Verkauf nach Produkten, die entweder einen lokalen oder einen interkulturellen Bezug haben. Da ist sie bei mir goldrichtig! Meine Kleiderkollektion Autumn in the Alps mit Stoffen aus Bayern und dem Alpenraum geht kaum lokaler, während meine Schals aus einem Sozialprojekt in Kambodscha kaum interkultureller sein könnten.

Vronis interkulturelles Konzept spiegelt sich auch in ihrem Speisenangebot wider. Hier kochen zwei Damen Spezialitäten aus ihren jeweiligen Heimatländern Nigeria und Tadschikistan. Auch ein junger Syrer ist mit an Bord, der uns bereits bei der Eröffnung mit seinem leckeren Gebäck verführt hat.

Vroni selbst kommt übrigens gar nicht aus der Gastronomie und das macht sie so bemerkenswert. Sie ist gelernte Buchhändlerin, weshalb es in ihrem Laden auch viele Bücher gibt. Die vergangenen drei Jahre hat sie in der Flüchtlingshilfe gearbeitet und beide Erfahrungen bringt sie nun in ihr Cafékonzept ein. Wie ich startet sie in einer Branche, von der sie nur wenig Ahnung hat, aber da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Gegen das, was die Vroni sich traut, bin ich die reinste Beamtenbraut.

Aufgrund der hohen Investitionen, laufenden Kosten und Personal sind ihre Verantwortung und damit auch ihr Risiko um einiges höher als bei mir. Wer nur ansatzweise vom Bürokratiewahnsinn und den Absurditäten gehört hat, mit denen Gewerbeamt, Gesundheitsamt, Finanzamt und die Stadtverwaltung jeden Gründer eines Gastronomiekonzepts zermürben, der geht fröhlich pfeifend zurück in seinen alten Bürojob. Deshalb bleibt es bei den meisten wohl auch nur beim Traum vom eigenen Café. Die Vroni aber, die hat es wirklich durchgezogen. Dafür verdient sie unseren ganzen Respekt und unsere Unterstützung!

Wer Lust hat, sich das Café Kuko einmal live und in Farbe mitsamt meinen Kleidern anzuschauen, der ist herzlich eingeladen, einfach mal vorbeizuschauen. Es ist in der Westendstraße 87 und hat von Dienstag bis Samstag zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet.

Übrigens könnt ihr im Café Kuko demnächst auch einen Raum mieten. Sobald die letzten Altlasten von den Vorbesitzern rausgeflogen sind und die Designerin ihre Kleider ordentlich aufgehängt hat, wird Platz sein für Workshops und Teamevents. Solltet ihr so etwas planen und einen Raum suchen, dann wendet euch gerne an die Vroni!

Café Kuko, Veronika Geiger – Westendstr. 87, 80339 München
kuko.cafe – Tel: 0170 5529046 – E-Mail: veronika.geiger@kuko.cafe

 

3 Comments
  • Claudia

    19. November 2019 at 10:07 Antworten

    Liebe Tanja, liebe Vroni,
    zunächst möchte ich euch sagen, dass ich euren Mut bewundere und ihr mich auch in meinem Vorhaben beflügelt, Ihr seid inspirierend, herzlichen Dank!
    …und was ist die Welt doch manchmal herrlich klein!!
    Erst letztes Wochenende bin ich zufällig an dem Café Kuko vorbeigelaufen, da ich dort ganz in der Nähe wohne, und habe mir gedacht: oh, das sieht aber hübsch und interessant aus, da muss ich unbedingt bald mal reinschauen!! Und gestern habe ich von meiner lieben Gründer-Beraterin bei Guide von deinem tollen Projekt “colour Stories” erfahren, da auch ich gerade den Schritt in die Selbstständigkeit wage mit einem eigenen kleinen nachhaltigen Modelabel.
    Also, großes Kompliment für dein tolles Konzept, Tanja, und ich wünsche dir von Herzen ganz ganz viel Erfolg dabei. Vielleicht lernen wir uns ja auch einmal kennen, ich würde mich freuen.
    Euch beiden alles Gute!

  • Vanessa

    11. September 2019 at 10:52 Antworten

    Schöner Beitrag! Vroni ist meine erste Sandkastenfreundin und unser Weg hat und gemeinsam von Kindergarten, Grundschule bis zum Abitur geführt und auch privat haben wir z. B. in der gleichen Band gesungen. Da hast du eine tolle Nachbarin, schön, dass ihr euch gefunden habt und euch gegenseitig unterstützen könnt. Leider wohne ich etwas weiter weg in der Schweiz, aber ich komme beim nächsten Münchenabstecher sicher vorbei, dein Startup interessiert mich auch sehr:-) viele Grüsse, Vanessa

    • Tanja

      12. September 2019 at 17:18 Antworten

      Wow, das ist aber ein nettes Feedback, vielen Dank! Dann hoffe ich, dass wir uns bald kennenlernen und in der Zwischenzeit mache ich schöne Kleider für euch 🙂

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