Die Kleidertauschparty

Die Kleidertauschparty

Es war ein bisschen wie mit den ersten Bananen nach dem Mauerfall. Dass meine Kleidertauschparty so ein Erfolg werden würde, hätte ich nie gedacht. Ehrlicherweise ist sie aber auch nicht auf meinem Mist gewachsen. Die Idee einer Kleidertauschparty kam während unserer Farbberatungen auf. Nachdem unsere Eleven erkannt hatten, warum sie bestimmte Klamotten als Ladenhüter im Schrank horteten, waren sie hochmotiviert, endlich mal auszumisten. Dabei kamen sie auf die Idee, dass sich die ein oder andere an den ausrangierten Farben erfreuen könnte. Und da wir tatsächlich unterschiedliche Farbtypen beraten hatten, stellte sich heraus, dass sie sich untereinander perfekt ergänzten. Aber immer der Reihe nach!

Die Kleidertauschparty ging pünktlich los. Erschreckend pünktlich sogar. Die ersten beiden standen Schlag 15 Uhr vor der Tür – beladen mit Trolleys und Taschen, als wollten sie zum Auslandssemester ins Regenbogenland.

Ich hatte im Arbeitszimmer alle Flächen freigeräumt, doch soweit kamen wir gar nicht. Alex und Babsi stürzten sich auf die Sachen, die ich im Flur drapiert hatte, als hätte ich den Nachlass von Karl Lagerfeld ausgestellt. Ich schaute schnell nach, ob draußen ein Koffer stehengeblieben war. Als ich wieder reinkam, war Babsi schon in mein knallgrünes Strenesse-Kleid geschlüpft. Das hatte ich mal für ein paar Hundert Euro zu einer Hochzeit gekauft und nur einmal getragen (ja, eine Wahnsinnsinvestition!). Nun passt es mir nicht mehr und bei Ebay war ich es nicht losgeworden. Babsi aber hatte in der Farbberatung Grün als ihre ideale Farbe entdeckt. Für sie war das Kleid ein Volltreffer und sie passte perfekt hinein. So gelangte ich zu der traurigen Selbsterkenntnis, dass ich Babsis postnatale Figur schon vor zehn Jahren verloren habe, und zwar ganz ohne Baby.

Kleidertauschparty

Alex hatte sich derweil in meinen dunkelblauen Desigual-Mantel verliebt. Dieser stammte noch aus der Zeit, bevor die Marke plötzlich allgegenwärtig war. Da ihr Glanz inzwischen wieder verblasst ist, kann Alex ihn jetzt wieder gut tragen, ohne an jeder Ecke einer Doppelgängerin in die Arme zu laufen. Übrigens wurde sie im Verlauf des Nachmittags zur inoffiziellen Queen of Kleidertausch. Als Älteste in der Runde hat sie eine beneidenswerte Figur, der all die Sachen passen, bei denen wir anderen die Hoffnung aufgeben mussten, jemals wieder hineinzuwachsen.

Nach und nach trudelten die anderen mit ihren Schätzen ein. Taschen wurden geplündert und auf dem Arbeitstisch entleert, wo sich ein gigantischer Kleiderberg bildete. Hier stellte Inske wieder einmal ihr unfassbares Augenmaß unter Beweis. Zielsicher zog sie am Zipfel eines petrolfarbenen Etwas. Ganz egal, was es war – sie war fest entschlossen, es zu erobern. Schließlich hatte es die Farbe, die sie so liebte und die so schwer zu bekommen war. Juchuh, es war ein Kleid, aber leider das, in dem Evi gekommen war. Die protestierte entsetzt und sah sich schon in Unterwäsche heimfahren.

Es herrschte eine unglaubliche Energie in dem kleinen Raum, als sich fünf Frauen Runde um Runde aus ihren Klamotten schälten, anprobierten, abschätzten, sich vor dem Spiegel drängten, applaudierten oder vor Lachen bogen. Manche Teile wurden sofort gedisst, andere reihum von allen anprobiert. Während ich ein Kleid entdeckt hatte, das ich gar nicht mehr ausziehen wollte, zogen sich andere gar nicht erst wieder an. Es war herrlich, besser als die beste Party, die wir je in der Wohnung gefeiert haben.

Unsere Körpergrößen reichten zwar von 1,60m bis 1,80m, aber außer bei den Hosen spielte das kaum eine Rolle. Und obwohl wir alle fünf total unterschiedlich waren, hatten wir für unsere Ladenhüter genau die richtigen Tauschpartnerinnen zusammengebracht. Dass diese Kleidertauschparty ein solches Potential und vor allem diesen Spaßfaktor haben würde, hätte ich nie gedacht.

Ich persönlich bin ja kein Second-Hand-Typ und mir graust es immer vor dem muffigen Geruch in diesen Läden. Mit den frisch duftenden Sachen aus Freundins Kleiderschrank war es jedoch ganz anders. Und was für ein Gejohle, als jemand zum Schluss hin eine Tasche entdeckte, die noch nicht geöffnet worden war!

Als sich die Gemüter endlich abkühlten und wir ganz sicher waren, keine ungeöffneten Taschen übersehen zu haben, war Zeit für den Kuchen, den Stefan uns gebacken hatte. Dieser hatte sich im Wohnzimmer als Babysitter verdingt und bekam von der Kleiderschlacht nur mit, dass ab und zu eine leicht bekleidete Dame an ihm vorbeihuschte, um ihre Beute an einem sicheren Ort zu verstecken.

Schließlich saßen wir bei einem Feierabend-Cava auf dem Balkon, entspannt wie nach dem Kannibalenfest in „Das Parfüm“. Der Beutezug war beendet, die Schätze gerecht verteilt. Es war Zeit für ein Resumee, und da kam mir eine neue Idee.

Inske und ich möchten ja professionelle Farbberatungen anbieten. Bisher machen wir kostenlose Testläufe, um unser Konzept zu erproben. Was aber wäre, wenn wir die Kleidertauschparties zu einem Teil des Konzepts machen?

Sagen wir, eine Farbberatung dauert 90 Minuten und kostet 150 Euro. Optional bieten wir einen Kleiderschrankcheck an, um beim Ausmisten zu helfen. Anschließend laden wir unsere Mentees zu einer Kleidertauschparty ein. Dann hätte jede Einzelne die Gelegenheit, neue Klamotten im Wert von weit über 150 Euro einzutauschen. Plus einen Anlass, endlich mal den eigenen Kleiderschrank auszumisten. Das ist doch … das wäre… eine gigantische Win-Win Situation für alle Seiten! Ein echter Schritt in Richtung Circular Economy, um in der Sprache unserer Zeit zu bleiben.

Ich sehe uns schon als Robin Hood und Marian durch die Schlafzimmerschränke der Stadt tingeln, um verschmähte Kleidungsstücke aus ihren tristen Verliesen zu befreien. Ich sehe uns als Queens of Kleidertausch in einer Reality Show mit Guido Maria Kretschmer, die immer am Sonntag um 19 Uhr bei VOX läuft.

Also aufgepasst, nichts wegschmeißen! Hebt alles schön auf und meldet euch zu unserer Farbberatung an. Wir suchen immer noch Probandinnen für kostenlose Testläufe mit Kleiderschrankcheck. Super wäre, wenn ihr schon eine kleine Gruppe von 3-4 Damen wärt. Dann machen wir vorab eine Farbberatung, entweder individuell oder in der Gruppe. Und später stürzen wir uns in die oben beschriebene Kleiderschlacht. Da bin ich zuversichtlich, dass das noch einmal so gut klappt!

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Stories. Setzte ein Lesezeichen permalink.

2 Idee über “Die Kleidertauschparty

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.