Wie die Jungfrau zur Mode kam

Niemand, der mich persönlich kennt, hätte mich je als Stilikone bezeichnet oder mir zugetraut, ein Fair Fashion Label zu gründen. Eher im Gegenteil. Keine modische Todsünde der vergangenen 35 Jahre zog spurlos an mir vorüber. Angefangen bei der chaotischen Mode der 80er Jahre, die mit ihrer Ballonseide und grellen Mustern jeden Anflug von Individualität gnadenlos erschlug. Da wurden stramme Waden in Karottenjeans gezwängt und breite Schultern mit Polstern aufgesattelt. Stand die Frage „Steht mir das?“ in diesem Jahrzehnt nicht sogar unter Strafe?

Weiter ging‘s mit den 90ern, eine glanzlose Zeit der Konformität, in der man plakative Markennamen zur stonewashed-Jeans trug. Es war so verpönt, weibliche Rundungen zu zeigen, dass wir alle diese sackartigen Gebilde trugen, unter denen ich wenigstens meine vielen Pubertätspölsterchen verstecken konnte.

Auch das neue Jahrtausend brachte modisch gesehen keinerlei Besserung. Sämtliche Trends der vergangenen 17 Jahre, egal ob Skinny Jeans, Daunenjacken, Leggings (Hand hoch: wer hätte gedacht, dass die jemals wiederkommen???), Tunikas oder Overkneestiefel (bei mir: Weitschaftstiefel), waren exakt das Gegenteil von dem, was meiner Figur gut tut. Und als Shoppingmuffel hatte ich immer die größte Mühe, etwas Passendes für mich zu finden. Denn wenn skinny angesagt ist, dann ist man als un-skinny-er Typ der Trottel, der von Laden zu Laden rennt und am Ende des Shoppingmarathons statt einer neuen Hose einen dicken Muffin in der Hand hält.

Tja, und heutzutage trägt man effortless. Das ist ein zusammengewürfelter Kleidungsstil, bei dem man morgens sehr viel Zeit darauf verwendet, so auszusehen, als hätte man überhaupt keine Zeit darauf verwendet. So wie das die angesagten Millenials in ihrem natürlichen Habitat, den sozialen Medien, darstellen, ist das eine super Sache. Da kann man jetzt Jogginghosen zu Stilettos tragen oder Omas Bleistiftrock mit Sneakers kombinieren, so als ob man nur mal eben zum Supermarkt an der Ecke wollte und vergessen hat, sich fertig anzuziehen.

Eigentlich ist dieser Stil super für jemanden, der jahrelang aus dem Rucksack gelebt hat. Das Problem ist nur: wir von der vor-vor-letzten Generation (Golf) wurden jahrzehntelang darauf getrimmt, dass von der Haarspange bis zum Nagellack alles schön zusammenpasst und zumindest bei mir hat das Spuren hinterlassen. Wenn ich also auf effortless mache, dann habe ich vergessen, mich fertig anzuziehen und sehe nicht nur so aus.

Ich kann mir bei Instagram noch so oft die Nase platt drücken, es ist wohl mein Schicksal, bis ans Ende meines Lebens am Diktat des wechselnden Zeitgeistes zu scheitern, egal in welcher Hüftweite er gerade daherkommt. Wenn es eine Option wäre, dann hätte ich mir schon vor langer Zeit ein schönes, seidiges Fell wachsen lassen. Und wenn mir all die Polyesterfummel gepasst hätten, in die ich mich im Laufe meines Lebens gezwängt habe, dann würde diese Seite gar nicht existieren. So aber fürchte ich, dass in diesem Leben keine Modetrends mehr erfunden werden, die den Bedürfnissen von ganz normalen Frauen mit ganz normalen Rundungen entsprechen, zumindest den meinigen. Was bedeutet, dass ich wohl selbst ran muss, wenn ich die teuren Fehlgriffe und optischen Desaster in meiner zweiten Lebenshälfte zumindest reduzieren möchte.

So entstand nicht ganz uneigennützig die Idee zu COLOUR STORIES. Sie ist verbunden mit der Vision, meinen Kleiderschrank endlich nicht mehr in die Kategorien “passt gerade nicht”, “passt gerade so” und “dann muss ich halt das anziehen” aufzuteilen. Und weil ich ahne, dass ich mit diesem Problem nicht allein dastehe, wende ich mich an alle, die von skinny und effortless ebenfalls die Nase voll haben und ganz einfach nach alltagstauglicher Kleidung suchen, die sich ihren Kurven und Maßen anpasst und nicht umgekehrt.

Überlegt doch mal: wäre es nicht super, statt einer Referenzhose ein Toleranzkleid zu haben, das nicht erbarmungslos die vielen Muffins auf den Hüften zählt, sondern sie diskret verschwinden lässt? Das morgens der erste Griff ist, wenn man mal wieder nicht weiß, was man anziehen soll? Das man einfach überwirft und immer gut aussieht, egal mit wie vielen Augenringen man das Haus verlässt? Ich habe immer von so einem Kleid geträumt, das für alle Lebenslagen geeignet ist, egal ob ich im Büro oder im Biergarten sitze. Und das vor allem das leidige Thema Kofferpacken abkürzt, wenn ich vor einem Wochenendtrip mal wieder den halben Kleiderschrank in meinen Trolley stopfe. Ein echtes Lieblingsstück also, eben …. effortless!

Ob mir das wohl gelingt? Wir werden sehen. Das hier ist ja nur der Anfang und ich habe keine Ahnung, wohin die Reise führen wird. Ich folge einfach meiner Intuition und allem, woran ich Spaß habe. Schließlich bin ich keine ausgebildete Modesignerin und orientiere mich an meinen, an euren Bedürfnissen, nicht an Trends. Und auch wenn es nur langsam voran geht und ich noch viel lernen muss, macht es einfach viel Spaß und ich hoffe, ihr werdet auch Spaß daran haben!

Wie das alles nun alles mit Biostoffen, glücklichen Schafen und Reiseinspirationen zusammengeht, erfahrt ihr in den nächsten Folgen. Bleibt dran, es gibt ja noch so viel zu erzählen 😉

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